„n8n oder Make?” – diese Frage höre ich wöchentlich. Die Antwort ist nicht trivial, weil beide Plattformen unterschiedliche Stärken haben und die Wahl von Ihren spezifischen Anforderungen abhängt.
Dieser Vergleich analysiert beide Plattformen entlang technischer Kriterien: Datensouveränität, Kostenstruktur bei unterschiedlichen Volumina, Skalierbarkeit und typische Anwendungsszenarien.
Architekturvergleich
| Kriterium | n8n | Make |
|---|---|---|
| Deployment | Self-hosted oder Cloud | Nur Cloud |
| Lizenzmodell | Open Source (Fair-Code) | Proprietär |
| Preismodell | Pro Workflow | Pro Operation |
| Datenspeicherung | Wählbar (lokal/Cloud) | AWS-Infrastruktur |
n8n: Stärken und Grenzen
n8n ist eine Open-Source-Plattform, die Sie auf eigener Infrastruktur betreiben können. Eine umfassende Analyse der Plattform finden Sie in unserem Artikel n8n 2026: Warum das Berliner Startup zur führenden Workflow-Plattform wurde. Diese Architektur bietet spezifische Vorteile:
Vorteile:
| Aspekt | Auswirkung |
|---|---|
| Datensouveränität | Vollständige Kontrolle über Datenflüsse und Speicherort |
| Kostenvorhersagbarkeit | Fixkosten pro Workflow, unabhängig von Ausführungshäufigkeit |
| Erweiterbarkeit | JavaScript/Python-Integration, Custom Nodes möglich |
Einschränkungen:
Self-Hosting bedeutet Verantwortung für Updates, Backups, Monitoring und Sicherheit. Ohne DevOps-Kapazität wird der Betrieb zur Belastung. Die Lernkurve ist steiler als bei Make, die Dokumentation weniger umfassend.
Die Cloud-Version von n8n vereinfacht den Betrieb, aber Sie verlieren den Hauptvorteil: vollständige Datenkontrolle.
Make: Stärken und Grenzen
Make (ehemals Integromat) ist eine Cloud-Plattform mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit.
Vorteile:
| Aspekt | Auswirkung |
|---|---|
| Usability | Intuitive Oberfläche, geringe Einarbeitungszeit |
| Integration | 1.500+ native Konnektoren |
| Betriebsaufwand | Kein Infrastrukturmanagement erforderlich |
Einschränkungen:
Das operationsbasierte Preismodell kann bei hohem Volumen teuer werden. Eine Operation ist jede einzelne Aktion: E-Mail lesen, Datensatz anlegen, API-Call ausführen.
Kostenbeispiel:
Ein Workflow für Bestellverarbeitung:
- Bestellung abholen (1 Op)
- CRM aktualisieren (1 Op)
- Rechnung erstellen (1 Op)
- E-Mail senden (1 Op)
- Slack-Benachrichtigung (1 Op)
Bei 200 Bestellungen täglich: 1.000 Operationen pro Tag, 30.000 pro Monat. Das übersteigt schnell die Kontingente günstiger Tarife.
Entscheidungsmatrix
| Anforderung | Empfehlung |
|---|---|
| Datenschutz kritisch (Gesundheit, Finanzen) | n8n (self-hosted) |
| Hohe Ausführungsfrequenz (> 1.000/Tag) | n8n |
| Kein technisches Team verfügbar | Make |
| Schneller Proof of Concept gefragt | Make |
| Umfangreiche Custom-Logik erforderlich | n8n |
| Viele verschiedene SaaS-Integrationen | Make |
Hybridstrategie
In der Praxis hat sich eine kombinierte Nutzung bewährt:
| Plattform | Einsatzbereich |
|---|---|
| Make | Prototypen, Proof of Concepts, Workflows die Business-User pflegen |
| n8n | Produktive kritische Prozesse, hohe Volumina, sensible Daten |
Der Ansatz: Schnell mit Make validieren, bei Erfolg und Relevanz zu n8n migrieren. Ein Make-Prototyp entsteht in zwei Stunden. Wenn er funktioniert und strategisch wichtig wird, lohnt sich die Migration. Wenn nicht, haben Sie zwei Stunden investiert statt zwei Wochen. Dieser Ansatz spiegelt auch die Erkenntnisse aus KI-Implementierungsprojekten wider: Klein anfangen, validieren, dann skalieren.
Kostenvergleich
n8n Cloud
| Plan | Preis | Umfang |
|---|---|---|
| Starter | ~20 €/Monat | Begrenzte Workflows |
| Pro | ~50 €/Monat | 50 aktive Workflows |
| Self-hosted | 0 € (Software) | + Serverkosten + Arbeitszeit |
Make
| Plan | Preis | Umfang |
|---|---|---|
| Free | 0 € | 1.000 Ops/Monat |
| Core | ab 9 € | 10.000 Ops |
| Pro | ab 16 € | Erweiterte Features |
| Teams | ab 29 €/User | Team-Funktionen |
Fazit zur Kostenstruktur: Bei niedrigem Volumen ist Make günstiger. Ab ca. 50.000 Operationen pro Monat wird n8n (Cloud oder self-hosted) wirtschaftlicher.
Technische Bewertung
| Kriterium | n8n | Make |
|---|---|---|
| Einarbeitungszeit | Mittel–Hoch | Niedrig |
| Debugging-Möglichkeiten | Umfassend | Grundlegend |
| Fehlerbehandlung | Granular konfigurierbar | Standardisiert |
| API-Dokumentation | Gut | Sehr gut |
| Community-Support | Aktiv, technisch orientiert | Aktiv, anwendungsorientiert |
Fazit
Beide Plattformen lösen dasselbe Problem – mit unterschiedlichen Trade-offs. Die Entscheidung hängt nicht von den Tools ab, sondern von Ihren Anforderungen:
n8n wählen, wenn:
- Datensouveränität nicht verhandelbar ist
- Technische Ressourcen für Betrieb vorhanden sind
- Hohe Ausführungsvolumina zu erwarten sind
Make wählen, wenn:
- Schneller Start wichtiger ist als vollständige Kontrolle
- Business-User Workflows selbst pflegen sollen
- Die Integration vieler verschiedener SaaS-Dienste im Vordergrund steht
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